Führerscheinerweiterung B 196 – Was steckt dahinter?
Mit dem B-Führerschein darf man ein Auto fahren – aber kein Motorrad. Seit 2020 gibt es jedoch die Führerscheinerweiterung B 196, mit der leichte Motorräder gefahren werden dürfen, ohne einen neuen Führerschein machen zu müssen. Was dahintersteckt, welche Voraussetzungen gelten und ob sich B 196 gegenüber A1 wirklich lohnt – das erfährst du hier.
Motorradführerscheine im Vergleich: A1 vs. A2 vs. A vs. B196
| Merkmal | A1 | A2 | A (offen) | B196 |
|---|---|---|---|---|
| Mindestalter | 16 Jahre | 18 Jahre | 24 J. (Direkt) / 20 J. (mit 2 J. A2) | 25 Jahre |
| Voraussetzungen | Keine | Keine (oder A1 seit 2 Jahren) | Keine (oder A2 seit 2 Jahren) | 5 Jahre Klasse B |
| Fahrzeuge | Bis 125 cm³, max. 11 kW, max. 0,1 kW/kg | Bis 35 kW, max. 0,2 kW/kg | Alle Motorräder | Bis 125 cm³, max. 11 kW, max. 0,1 kW/kg |
| Theorieunterricht | 12× 90 Min. (6× mit B) | 12× (Direkt) / 6× (mit B) / keiner (mit A1) | 12× (Direkt) / 6× (mit B) / keiner (mit A2) | 4× 90 Min. |
| Praxisunterricht | min. 12× 45 Min. | 12× (Direkt) / 6× (A1 <2 J.) / keiner (A1 ≥2 J.) | 12× (Direkt) / 6× (A2 <2 J.) / keiner (A2 ≥2 J.) | 5× 90 Min. |
| Prüfungen | Theorie + Praxis | Theorie + Praxis (oder nur Praxis mit A1) | Theorie + Praxis (oder nur Praxis mit A2) | Keine Prüfung |
| EU-weit gültig? | Ja | Ja | Ja | Nur in manchen EU-Ländern |
| Kosten (ca.) | 1.200 – 1.800 € | 1.200 – 2.000 € | 1.400 – 2.200 € | 800 – 1.000 € |
| Direkteinstieg? | Ja | Ja | Ja (ab 24 Jahren) | Nein |
| Aufstieg möglich? | Zu A2 nach 2 Jahren | Zu A nach 2 Jahren | Endstufe | Kein Aufstieg – A1 nötig für A2/A |
Was darf mit B 196 gefahren werden?
Mit der Erweiterung B 196 dürfen Motorräder inkl. Beiwagen gefahren werden, sofern folgende Bedingungen erfüllt sind:
Hubraum
max. 125 cm³
Motorleistung
max. 11 kW (15 PS)
Leistungsgewicht
max. 0,1 kW/kg
Das entspricht denselben Fahrzeugen, die auch mit der Klasse A1 gefahren werden dürfen. Jedoch sind A1 und B 196 nicht gleichgestellt – die Unterschiede zeigen sich in den Vor- und Nachteilen.
Voraussetzungen für die Erweiterung B 196
Mindestalter
25 Jahre
Führerschein B
seit mindestens 5 Jahren
Fahrerschulung
Pflicht in einer anerkannten Fahrschule
Antragsfrist
Eintragung innerhalb von 1 Jahr nach Schulung beantragen
Hinweis: Kein zusätzlicher Erste-Hilfe-Kurs oder Sehtest nötig – diese waren bereits Voraussetzung für den B-Führerschein.
Wie wird die Erweiterung beantragt?
Nach Abschluss der Fahrerschulung erhältst du eine Bestätigung. Damit wendest du dich an die Führerscheinstelle deines Wohnortes. Wichtig: Die Eintragung kann ausschließlich bei der eigenen Führerscheinstelle erfolgen.
Erforderliche Unterlagen
- Bestätigung der Fahrerschulung
- Kopie eines gültigen Ausweises
- Aktuelle Meldebescheinigung
- Kopie des bestehenden Führerscheins
- Biometrisches Passfoto
Die Gebühr für Antrag und Eintragung beträgt in der Regel 23 – 29 Euro, je nach Behörde auch etwas mehr.
Was kostet die Erweiterung B 196?
Fahrerschulung
ca. 700 – 900 €
Eintragungsgebühr
ca. 23 – 29 €
Passfoto
ca. 10 – 15 €
Gesamt
ca. 800 – 1.000 €
Achtung: Die Erweiterung B 196 gilt nur in Deutschland. Im Ausland wird die Führerscheinklasse A1 benötigt.
Vor- und Nachteile: B 196 vs. A1
Vorteile B 196
- Schnelle Ausbildung, oft als Intensivkurs
- Günstiger als A1-Führerschein
- Keine Theorie- oder Praxisprüfung
Nachteile B 196
- Mindestalter 25 Jahre
- Kein Aufstieg zu A2 oder A möglich
- Nur in Deutschland gültig
- Kein vollwertiger Motorradführerschein
Lohnt sich B 196 statt A1?
In meiner persönlichen Einschätzung ist es heutzutage wenig sinnvoll, den B 196 anstelle des A1 zu erwerben. Mein Fahrlehrer empfahl mir damals, direkt A1 zu wählen – der B 196 sei eine unwirtschaftliche Entscheidung. Früher, als der Kostenunterschied noch deutlich größer war, mochte das anders sein. Mittlerweile bieten viele Fahrschulen den B 196 gar nicht mehr an. Wer langfristig denkt, fährt mit A1 besser.
Fazit
Die Führerscheinerweiterung B 196 ist schnell erledigt und vergleichsweise günstig. Wer jedoch langfristig auf stärkere Motorräder umsteigen oder im Ausland fahren möchte, stößt schnell an die Grenzen dieser Lösung. Die Vor- und Nachteile sollten vor der Entscheidung sorgfältig abgewogen werden – am Ende ist A1 für die meisten die sinnvollere Wahl.





